Ausgabe Nr. 1 / 2022

Gewässerpreis Schweiz 2022

Verleihung des Gewässerpreises 2022

Der Verein für Ingenieurbiologie (VIB) setzt sich seit 1989 für einen nachhaltigen Umgang mit den Schweizer Gewässern ein. Er hat zusammen mit anderen Organisationen bis 2015 im Zweijahresrhythmus einen Gewässerpreis vergeben. Die Revitalisierung ist aber weiterhin kein Selbstläufer: Zwar gibt der hohe Stellenwert der Biodiversität in den Medien dem Thema einen zusätzlichen Schwung. Die grosse Herausforderung bleibt aber die Schonung der Ressourcen und der Einbezug der grauen Energie bei all den baulichen Massnahmen am Wasser (Recycling). Nur dann kann von Nachhaltigkeit gesprochen werden.

Der VIB erachtet eine Würdigung besonderer Leistungen im obigen Kontext weiterhin als zielführend. Er will deshalb den Gewässerpreis im Vierjahresrhythmus abwechselnd mit dem Preis für Hochlagenbegrünung vergeben. Es werden besonders gut gelungene Projekte mit Anwendung von Ingenieurbiologie ausgezeichnet, welche die Qualität der Gewässer für Mensch und Natur verbessern.

Die erste Preisverleihung erfolgt an der Mitgliederversammlung 2022. Total sind sieben Projekte in die engere Auswahl gelangt.

Mit 28 von 30 möglichen Bewertungspunkten wird das Projekt Emme im Kanton Solothurn mit dem Gewässerpreis prämiert, denn es ist für die Schweiz einmalig in der dynamischen Dimension und im Einsatz ingenieurbiologischer Bauweisen. Positiv wird der Mut gewürdigt, dynamische Prozesse zu fördern. Mit Innovation werden neue Bautypen entwickelt oder an den Ort adaptiert. Ob diese BMU (Biogene Maschinelle Ufersicherung) oder ELJ (Engineered Log Jams) genannt werden, ist sekundär. Entscheidend ist die kurz- und langfristige Wirksamkeit. Ingenieurbiologie darf die Eigendynamik nicht behindern, sondern fördert die optimale Gewässerentwicklung in vorgängig definierten Grenzen (Interventionslinien) und schafft gleichzeitig wertvollen Lebensraum in den verschiedenen Sukzessionsstadien. Gerade der immense Einsatz von Totholz, hier das Nebenprodukt einer Umgestaltung von knapp 25 Hektaren Wald, wirft für den zukünftigen Unterhalt neue Fragen
auf. Wann und mit welchen Mitteln werden solche Strukturen erneuert? Wie sieht der Pflegeplan aus? Wie wird
die Erholungsnutzung gelenkt? Was braucht es, dass der Flussregenpfeifer bleibt? Welches sind die Kriterien der Erfolgskontrolle generell?

Der Bestpractice-Preis 2022 geht an das Einzelobjekt im Löchligut an der Aare, wo ein innovatives, ingenieurbiologisches Sicherungsbauwerk erstellt wurde.

Auch die Projekte in Gambarogno und Sembrancher haben den Gewässerraum optimal ausgenutzt. Es fehlt ihnen aber etwas die nationale Ausstrahlungskraft.

Wir freuen uns nun auf die Präsentation der Wettbewerbsprojekte und auf die Begehung des Siegerprojekts im Anschluss an die Mitgliederversammlung in Derendingen.

Für die Jury des Gewässerpreises
Thomas Oesch