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Verein für Ingenieurbiologie
 

Ausgabe Nr. 1 / 2017

Massnahmen an der Glatt

Die Erhaltung noch bestehender naturnaher Gewässer und die Aufwertung und Wiederherstellung beeinträchtigter Lebensräume (Renaturierung und Revitalisierung) zu ökologisch funktionstüchtigen
Lebensräumen für Wassertiere im Allgemeinen und für Fische im Besonderen gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Fischerei. Intakte Lebensräume bieten Gewähr für artenreiche Fischbestände und eine nachhaltige fischereiliche Nutzung. Dieses Ziel wird in intensiver und erfolgreicher Zusammenarbeit zwischen der Sektion Wasserbau des Tiefbauamtes (ab 1. Juni 2017 Teil des Amtes für Wasser und Energie zusammen mit der Sektion Wasserkraft und der Gewässerüberwachung beim Baudepartement), der Abteilung Natur und Landschaft und der Abteilung Fischerei, beide im Amt für Natur, Jagd und Fischerei (Volkswirtschaftsdepartement), angestrebt. Neben dem Anstreben eines grösstmöglichen ökologischen Gewinns bei grösseren Hochwasserschutzprojekten werden in wechselnder Zusammenarbeit mit kantonalen Amtsstellen, Gemeinden und Grundeigentümern und mit Hilfe des Bundes auch kleinere Renaturierungen projektiert und ausgeführt. Synergien mit dem Schutz von Amphibien und Reptilien oder der Wiederherstellung von Auenlandschaften werden fallweise gesucht und genutzt. Im Rahmen der Revitalisierungs planung des Kantons St. Gallen, die Ende 2014 dem Bund eingereicht worden ist, resultierten 372 km Gewässerstrecken, deren Eignung als gross, und 272 km Gewässerstrecken, deren Eignung als mittel eingestuft wird. Mit dieser Einstufung wurde aufgezeigt, wo aus heutiger Sicht Revitalisierungsmassnahmen einen grossen Nutzen für Natur und Landschaft im Verhältnis zum voraussichtlichen Aufwand haben. Die Zuständigkeit für die praktische Revitalisierung liegt im Wesentlichen bei den Gemeinden und bei den Grundeigentümern (kleinere und mittlere Gewässer im Kanton sind im rechtlichen Sinne Gemeinde- oder übrige Gewässer). Es bleiben also noch einige Herausforderungen, bis unsere Fliessgewässer wieder in einem ökologisch befriedigendem Zustand sind. Die Glatt ist ein weitgehend naturnahes Gewässer, das aber durch die Einleitung von ungenügend gereinigtem Abwasser im ganzen Einzugsgebiet der beiden Kantone SG und AR bis in die 1980er Jahre stark belastet war. Durch grosse Anstrengungen im Ausbau der Kläranlagen konnte der Zustand vom einstmals stark belasteten Gewässer wieder so stark verbessert werden, dass die natürliche Reproduktion der Fische (auch der Bachforellen) wieder möglich ist. Probleme bereiten noch die bestehenden Kraftwerke an der Glatt und einem Seitenbach, dem Wissenbach, die die Wanderung der Fische erschweren und das Geschiebe zurückhalten, bis der Stauraum aufgefüllt ist resp. die geplante Sanierung des Geschiebehaushaltes im Rahmen der Sanierung Wasserkraft durchgeführt worden ist. Ebenso ist in der Revitalisierungsplanung die Sanierung der bestehenden Schwelle im Glatt-Unterlauf von zentraler Bedeutung, damit die Längsvernetzung Thur–Glatt für aquatische Lebewesen wieder funktioniert.
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