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Verein für Ingenieurbiologie
 

Ausgabe Nr. 2 / 2010

 

Hangverbau und Ingenieurbiologie im Kanton Obwalden

 
Immer schon prägten die Wildbäche mit ihren grossen Einzugsgebieten den Kanton Obwalden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verursachten grosse Unwetterer-eignisse auf den besiedelten Schwemmkegeln der Wildbäche im Kanton verheerende Schäden. Auf die Schadensereignisse folgten die ersten Sanierungs- und Verbauprojekte. In den Mittel- und Unterläufen wurden wasserbauliche Werke realisiert. In den Oberläufen und den grossen Rutschungs- und Erosionsflächen kamen einfachere Verbautechniken, Entwässerungswerke und ingenieurbiologische Massnahmen zur Anwendung. Umfangreiche Massnahmen wurden insbesondere in den Einzugsgebieten der Lungerer Dorfbäche, der Giswiler Laui und der Grossen und Kleinen Schliere in Alpnach realisiert. Mit heute unvorstellbarem personellem Aufwand wurden die Rutschungs- und Erosionshänge entwässert, verbaut und bepflanzt. Die weitgehend übernutzten und teilweise grossflächig kahlgeschlagenen Wälder in den Einzugsgebieten wurden in jahrzehntelanger Arbeit neu be-stockt und damit stabilisiert.

Im Wasserbau dagegen kamen ingenieurbiologische Massnahmen aufgrund der Topografie nur im Talboden, auf den flachen Gewässerabschnitten zur Anwendung. Entlang der Sarner Aa in Sarnen und Alpnach und wenig steilen Gewässerabschnitten in den Gemeinden Giswil, Sarnen und Kerns konnte insbesondere die Uferstabilität mit ingenieurbiologischen Mass-nahmen erreicht werden.

Aufgrund der Steilheit und damit erschwerten Zugänglichkeit wurden in den Einzugsgebieten der Sachsler Wildbäche im Unterschied zu den Wildbach-Systemen in Lungern, Giswil, Sarnen und Alpnach kaum Verbaumassnahmen ausgeführt. Das Kegelgebiet war kleiner und lockerer besiedelt. Das heisst, das Schadenpotenzial und damit das Ausmass der Schäden waren bis Anfang des 20. Jahrhunderts vergleichsweise gering. Bei den Ereignissen im August 1984 und 1997 rückten diese Gebiete ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Zahlreiche Rutschungen lieferten immense Geschiebekubaturen, die von den Bächen in die Unterläufe transportiert wurden und in diesen Gebieten verheerende Schäden verursachten. Neben grossen Verbauprojekten in den unterdessen stark genutzten Schwemmkegeln wurden auch in den Einzugsgebieten Massnahmen an die Hand genommen. Rutschungs- und Erosionsflächen konnten mit Hilfe von technischem Hangverbau und ingenieurbiologischen Massnahmen stabilisiert und dauerhaft gesichert werden. Alte, bewährte Techniken im Holzverbau kombiniert mit Bepflanzung wurden aufgenommen und mit neuen Erfahrungen ergänzt.

Beim Unwetter im August 2005 ereigneten sich im ganzen Kantonsgebiet zirka 1000 Rutschungen und Hangmuren. Dank den Praxiserfahrungen auch aus dem Rüfenprojekt Sachseln konnte auf diese Herausforderung adäquat reagiert werden. Das Forstpersonal und spezialisierte Bauunternehmungen verfügten über fundierte Kenntnisse, Erfahrungen und die nötigen Hilfsmittel.

Wissen und Erfahrung weiterzugeben ist die Grundphilosophie der Aktiven im Bereich Naturgefahren im Kanton Obwalden. In dem Sinn freuen wir uns dem Verein für Ingeni-eurbiologie am 10. Juni 2010 Einblick in die Tätigkeiten und Projekte geben zu können und diese kritisch zu diskutieren.

Wir heissen Sie im Herzen der Schweiz willkommen!

Peter Lienert
Kantonsoberförster und Amtsleiter Amt für Wald und Landschaft
Kantonales Amt für Wald und Landschaft
 
 
 
Titelblatt Heft Nr. 2 / 10
 
 
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