Ausgabe Nr. 1 / 2021

Best-practice beispiele für hochlagenbegrünung

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Der Verein für Ingenieurbiologie will das Bauen mit Pflanzen fördern und setzt sich für schonende und standortgerechte Begrünungen ein. Um ingenieurbiologische Projekte mit vorbildhaftem Charakter aufzuzeigen, vergibt der Verein einen Preis für gelungene Praxisbeispiele. Es wird abwechselnd ein Preis für Begrünungen in Hochlagen (Bereich der Waldgrenze und höher) und für ingenieurbiologische Projekte in tieferen Lagen, z.B. für Gewässerprojekte, vergeben. Damit werden besonders gut gelungene Projekte und Massnahmen ausgezeichnet, welche die Qualität und Nachhaltigkeit von naturnahen Begrünungen und naturnahem Wasserbau fördern.

In diesem Jahr vergibt der Verein seinen Begrüner-Preis für Objekte in Hochlagen. Eingereicht wurden vier Bewerbungen für Objekte mit sehr unterschiedlichen Grundvoraussetzungen: 1. das Projekt Linthal 2015 der Kraftwerke Linth-Limmern AG (KLL) im Kanton Glarus, 2. der Alpengarten und Europarundweg am Hohen Kasten (AI/SG), 3. der Neubau der Sesselbahn Curtinella im Engadin und 4. die Wiederbegrünung am Monte Generoso im Tessin.

Die Jury, bestehend aus den AutorInnen dieses Editorials, begutachtete die Bewerbungen und die Objekte im Gelände basierend auf den massgebenden Kriterien der Arbeitsgruppe für Hochlagenbegrünungen (AGHB) und der entsprechenden Richtlinie, herausgegeben im Mitteilungsblatt Ingenieurbiologie 3, 2019. Die Kriterien berücksichtigen vor allem die Planung und Projektierung (z.B. Formulierung Begrünungsziele, standortsgerechte Artengarnitur, Begrünungsmethoden, Dokumentation etc.), Ausführung (handwerkliche Umsetzung im Gelände), Resultate (bezüglich Erosionsschutz, Deckungsgrad, Zielvegetation etc.) sowie Erfolgskontrolle und Monitoring.

Die Jury war von der hochstehenden Qualität der vier Objekte begeistert und zeichnet sie alle als best-practice Beispiele für gelungene Begrünungen aus. Mit den Artikeln in diesem Heft möchten wir den Verantwortlichen die Gelegenheit geben, ihre best-practice Begrünung vorzustellen.

Das Projekt Linthal zeichnet sich durch die Rekultivierung einer hochalpinen Baustelle mit autochthonem Pflanzmaterial und der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden besonders aus. Am Hohen Kasten wurde ein hindernisfreier Erlebnisweg angelegt bei gleichzeitiger Minimierung der Schäden durch den Bau des Drehrestaurants und der Eliminierung nicht heimischer Arten aus dem alten Alpengarten. Terrainveränderungen beim Bau der Sesselbahn Curtinella erforderten die Wiederanlage einer Milchkrautweide durch Direktumlagerung, wodurch der originale Bestand und die Artengarnitur vollständig erhalten werden konnten. Am Monte Generoso wurde eine Wasserleitung so erfolgreich mit lokalem Pflanzenmaterial begrünt, dass der Eingriff, auch aufgrund zahlreicher Viehpfade, im Gelände kaum mehr auszumachen ist.

Obwohl die Jury alle vier Objekte als best-practice Beispiele auszeichnen möchte, hat sie sich auf das Objekt Linthal als Gewinnerin des Preises für Hochlagenbegrünung geeinigt. Dies u.a. wegen der grossen Höhenlage der Baustelle, den vorgängigen Versuchspflanzungen zur optimalen Artenzusammensetzung, sowie des Aufbaus eines projekteigenen in-house Umweltteams.

Wir freuen uns ausserordentlich, mit dem vorliegenden Heft derart gute Beispiele für Begrünungen präsentieren zu können und hoffen, dass sie als Anregungen dienen für zukünftige Eingriffe und Begrünungen in hohen aber auch in tieferen Lagen.

 

Christian Rixen, Nicolas Bagnoud, Giovanni de Cesare, Kirsten Edelkraut, Christian Rickli, Manuel Schneider