Ausgabe Nr. 2 / 2019


30 Jahre Verein für Ingenieurbiologie/ Hochwasserschutz Aare und Gretzenbach

Ende der achtziger Jahre trafen sich wiederholt schweizerische Fachleute an Veranstaltungen der von Prof. W. Pflug von der RWTH Aachen geleiteten Gesellschaft für Ingenieurbiologie e.V in Deutschland. Bald reifte der Entschluss eine analoge Vereinigung in der Schweiz zu gründen.

Die Gründungsversammlung des Vereins für Ingenieurbiologie am 29. September 1989 in Buchs SG schloss an eine Exkursion ins Liechtensteinische unter Leitung von Hubert Wenzel an. Zentrale Anliegen waren die Förderung des Bauens mit Pflanzen und die Pflege des Erfahrungsaustauschs insbesondere in den Alpenländern.

Mit Tagungen, Exkursionen und Weiterbildungskursen wurde angestrebt, Wissen und Handeln zu vertiefen und zu verbreiten. Bereits am 7. Dezember 1990 führten wir unter dem Titel «Grundsätze und Beispiele der Ingenieurbiologie» eine Tagung mit über 300 Teilnehmenden im Auditorium Maximum der ETH Zürich durch. Sei es beim Hochwasserschutz, der Renaturierung von Fliessgewässern und Seeufern oder bei der Stabilisierung von Böschungen und Hängen soll aus ökologischen aber auch aus finanziellen Gründen die Devise immer lauten: So viele und so harte Massnahmen wie notwendig, aber so wenige und so weiche wie möglich.

Der Begriff Ingenieurbiologie musste bekannt gemacht und erklärt werden. Wie schwierig und gleichzeitig notwendig es war, den Begriff zu definieren und zu positionieren, wurde uns nach einigen Jahren durch eine Umfrage bei tertiären Bildungsinstitutionen (heute z.B. Fachhochschulen) zu Unterrichts- und Ausbildungsangebot vor Augen geführt. Da wurde doch tatsächlich Ingenieurbiologie mit Biotechnologie gleichgesetzt!

Die vor der Gründung formulierten Aufgaben und Ziele sind noch heute aktuell. Nicht ohne Stolz stelle ich fest, dass viel erreicht worden ist. Aber es ist klar, dass es den Einsatz des Vereins weiterhin braucht. Die Herausforderung für die kommenden Jahre ist, mit Aktivitäten und Angeboten auch jüngere Fachleute für die Ingenieurbiologie und für ein Engagement im Verein zu begeistern.

Der Vereinstradition folgend, findet auch dieses Jahr zusammen mit der Mitgliederversammlung eine Fachexkursion statt. Die entsprechenden Berichte zu den Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekten an Aare und Gretzenbach finden Sie im zweiten Teil des Heftes.

Der Beitrag aus Österreich zeigt, wie bereits Kinder und Jugendliche für den naturnahen Wasserbau begeistert werden können.

Thomas Weibel, Präsident 1989-1998